Kfz-Steuer beim Diesel: warum der Selbstzünder mehr zahlt
Beim Diesel kostet jeder angefangene Hubraum-Hunderter fast das Fünffache, und der niedrigere CO2-Wert gleicht das selten aus.
Geprüft von Radif Partners · Redaktionsrichtlinien · Methodik
Diesel gegen Benziner: gleicher Motor, andere Steuer
Diesel pro Jahr
286 €
| Benziner, gleiche Werte | 136 € |
| Diesel-Aufschlag | 150 € |
Ein Diesel-Pkw zahlt in Deutschland 9,50 € Kfz-Steuer je angefangene 100 cm³ Hubraum, ein Benziner nur 2 €. Dieser Satz gilt für alle seit Juli 2009 erstmals zugelassenen Autos, der CO2-Anteil kommt bei beiden Kraftstoffen nach denselben Regeln hinzu. Bei gleichem Hubraum und gleichem CO2-Wert kostet der Diesel deshalb je 100 cm³ genau 7,50 € mehr. Ein Diesel von 2024 mit 1 968 cm³ und 140 g CO2 zahlt 286 € im Jahr, ein gleich großer Benziner mit demselben Wert 136 €. Erst wenn der Benziner rund 52 Gramm mehr ausstößt, sind beide gleich teuer. Bei Autos von vor Juli 2009 liegt der Diesel ebenfalls deutlich höher, je nach Schadstoffklasse bis 37,58 € je 100 cm³. Euro-Norm und Partikelfilter spielen für neuere Diesel steuerlich keine Rolle mehr. Unser Rechner trifft für einen Diesel von 2023 mit 1 968 cm³ und 145 g dieselben 299 € wie der Rechner des Bundesfinanzministeriums.
Der Satz, der den Unterschied macht
§ 9 Abs. 1 Nr. 2 KraftStG nennt für Pkw mit Erstzulassung ab Juli 2009 zwei Hubraumsätze: 2 € je angefangene 100 cm³ für Fremdzündungsmotoren, 9,50 € für Selbstzündungsmotoren. Der Diesel zahlt also das 4,75-Fache. Gezählt wird in angefangenen Einheiten, ein Motor mit 1.968 cm³ hat 20 davon, einer mit 2.993 cm³ hat 30. Allein der Hubraum kostet beim Zweiliter-Diesel damit 190 €, beim Benziner 40 €.
Der CO2-Anteil ist für beide Antriebe gleich geregelt. Seit 2021 zugelassene Autos zahlen für jedes Gramm über 95 g/km einen gestaffelten Satz zwischen 2,00 € und 4,00 €. Dass Diesel oft weniger CO2 ausstoßen, mildert den Hubraum-Nachteil, hebt ihn aber selten auf.
Diesel und Benziner bei gleichen Werten
Die folgende Tabelle setzt beide Kraftstoffe auf denselben Hubraum und denselben CO2-Wert, Erstzulassung 2024. So wird sichtbar, was der Kraftstoff allein ausmacht:
| Hubraum | CO2 | Diesel | Benziner | Mehr beim Diesel |
|---|---|---|---|---|
| 1.499 cm³ | 115 g/km | 182 € | 70 € | 112 € |
| 1.598 cm³ | 125 g/km | 214 € | 94 € | 120 € |
| 1.968 cm³ | 140 g/km | 286 € | 136 € | 150 € |
| 2.993 cm³ | 180 g/km | 494 € | 269 € | 225 € |
Der Abstand wächst mit dem Hubraum: Jede angefangene Einheit kostet beim Diesel 7,50 € mehr. Bei einem Dreiliter sind es schon über zweihundert Euro im Jahr, bei gleichem CO2-Wert. Der CO2-Anteil ist in jeder Zeile identisch, bei 140 g zum Beispiel 96,50 €.
Wie viel CO2-Vorsprung braucht der Diesel?
Realistischer ist der Vergleich, bei dem der Diesel sparsamer ist. Nimmt man den Zweiliter-Diesel mit 140 g, muss ein Benziner mit 1.968 cm³ rund 192 g/km ausstoßen, um dieselbe Steuer zu zahlen, also etwa 52 Gramm mehr. Solche Abstände kommen bei Motoren derselben Leistung durchaus vor, vor allem bei schweren Autos. Beim kleinen Diesel dagegen gewinnt fast immer der Benziner, weil dessen Hubraumanteil kaum ins Gewicht fällt. Ein Vergleich lohnt deshalb mit den echten Werten aus Feld P.1 und V.7 beider Fahrzeuge; der Kfz-Steuer-Rechner rechnet beide nacheinander.
Der Zweiliter-Diesel Schritt für Schritt
Für den Diesel von 2024 mit 1.968 cm³ und 140 g sieht die Rechnung so aus. Hubraum: 20 angefangene Einheiten zu 9,50 € ergeben 190,00 €. CO2: Die ersten 95 g sind frei. Von 96 bis 115 g kosten 20 Gramm je 2,00 €, zusammen 40,00 €. Von 116 bis 135 g kommen 20 Gramm zu 2,20 € hinzu, also 44,00 €. Die letzten fünf Gramm liegen im Band zu 2,50 € und kosten 12,50 €. Insgesamt sind das 286,50 €, abgerundet 286 €. Der Benziner rechnet beim CO2 genauso, beim Hubraum aber mit 40 € statt 190 €.
Gebrauchte Diesel von 2009 bis 2020
Für diese Jahrgänge gilt derselbe Hubraumsatz, aber nur ein einziger CO2-Satz von 2 € je Gramm über einer festen Grenze. Die Grenze lag bei 120 g für Erstzulassungen bis 2011, bei 110 g für 2012 und 2013 und bei 95 g ab 2014. Ein Diesel von 2015 mit 1.598 cm³ und 105 g zahlt 172 €, ein Benziner mit denselben Werten 52 €. Der Unterschied liegt auch hier vollständig im Hubraum.
Viele dieser Autos haben niedrige Normwerte, weil sie noch nach dem alten NEFZ-Zyklus gemessen wurden. Für die Steuer zählt der Wert, den die Zulassungsstelle eingetragen hat; ein neuerer WLTP-Wert desselben Modells ändert an einem bestehenden Auto nichts.
Diesel von vor Juli 2009
Hier fehlt der CO2-Anteil, dafür hängt der Hubraumsatz an der Schadstoffklasse. Die günstigste Stufe für Diesel kostet 15,44 € je 100 cm³, also mehr als das Doppelte des Benziners mit 6,75 €. Bei Autos ohne anerkannte Schadstoffminderung steigt der Satz auf 37,58 €. Ein Diesel von 2006 mit Euro 4 und 1.896 cm³ zahlt 293 €, ein gleich großer Benziner 128 €. Alle Stufen stehen auf der Seite zu Altfahrzeugen.
Diesel gegen Benziner: gleicher Motor, andere Steuer
Diesel pro Jahr
286 €
| Benziner, gleiche Werte | 136 € |
| Diesel-Aufschlag | 150 € |
Was früher galt und heute nicht mehr
Zwei Sonderregeln für Diesel stehen noch im Gesetz, wirken aber nicht mehr. § 9a erhöhte von April 2007 bis März 2011 den Satz für Diesel ohne Partikelminderungsstufe um 1,20 € je 100 cm³. § 3b befreite Euro-6-Diesel mit Erstzulassung 2011 bis 2013, bis die Ersparnis 150 Euro erreichte, und endete spätestens am 31. Dezember 2013. Wer in alten Kaufunterlagen von diesen Regeln liest, kann sie für die heutige Steuer ignorieren.
Auch die Euro-Norm selbst spielt bei Dieseln ab Juli 2009 steuerlich keine Rolle mehr. Ein Euro-6d-Diesel zahlt bei gleichem Hubraum und CO2-Wert dasselbe wie ein Euro-5-Modell. Für Fahrverbote und Umweltplaketten sieht das anders aus, das regelt aber nicht die Kfz-Steuer, sondern das Immissionsschutzrecht; mehr dazu unter Umweltzone.
Transporter und Wohnmobile mit Dieselmotor
Der hohe Hubraumsatz gilt nur für Pkw, also Fahrzeuge der Klasse M1. Ein Transporter, der als Lkw (Klasse N1) zugelassen ist, wird nach § 8 Nr. 2 KraftStG nach dem zulässigen Gesamtgewicht besteuert, gleich ob Diesel oder Benziner. Ein Kastenwagen mit 3 000 kg zahlt so 172 € im Jahr, auch wenn ein großer Dieselmotor unter der Haube sitzt. Wohnmobile haben eine eigene Regel nach Gewicht und Schadstoffklasse, siehe Kfz-Steuer für Wohnmobile. Entscheidend ist die Fahrzeugklasse, die die Zulassungsstelle in Feld J einträgt, nicht die Bauform. Ein Pkw-Kombi bleibt ein Pkw, auch wenn hinten keine Sitze mehr eingebaut sind, solange die Zulassung nicht geändert wird.
Saisonkennzeichen für den Zweitwagen
Wer einen Diesel nur im Sommer für Urlaubsfahrten oder mit Anhänger braucht, kann ihn mit Saisonkennzeichen zulassen. Die Steuer läuft dann nur für die Monate auf dem Schild, je Tag ein Dreihundertfünfundsechzigstel der Jahressteuer (§ 11 Abs. 4 KraftStG). Bei sechs Monaten zahlt der Zweiliter-Diesel aus dem Beispiel also etwa die Hälfte seines Jahresbetrags. Außerhalb des Zeitraums darf das Auto nicht auf öffentlichen Straßen stehen.
Hybride mit Dieselmotor
Mild- und Vollhybride mit Selbstzündungsmotor werden wie jeder Diesel besteuert: voller Satz je 100 cm³, CO2 nach Stufen. Die Befreiung für Elektroautos verlangt einen ausschließlich elektrischen Antrieb und greift deshalb nicht. Der Hybridanteil hilft nur indirekt, über einen niedrigeren CO2-Wert. Ein Plug-in-Diesel mit sehr niedrigem Normwert zahlt im Ergebnis fast nur den Hubraumanteil, und der ist beim Diesel eben hoch.
Wer heute noch Diesel kauft
Steuerlich kostet ein Zweiliter-Diesel aus dem aktuellen Jahrgang typischerweise zwischen zweihundert und dreihundert Euro im Jahr, ein vergleichbarer Benziner weniger als die Hälfte, ein Elektroauto bis 2035 nichts. Ob sich der Diesel trotzdem rechnet, entscheiden Kraftstoffpreis und Fahrleistung, nicht die Steuer allein. Für die Steuer gilt: Der Betrag steht mit dem Fahrzeugschein fest, wird nach § 11 Abs. 5 auf volle Euro abgerundet und vom Zoll jährlich im Voraus abgebucht, wie auf der Seite zur Kfz-Steuer beschrieben. Wer seine Werte prüfen will, kann neben unserem Rechner den Rechner des Bundesfinanzministeriums nutzen; beide kamen in unseren 21 Testfällen vom 11. Oktober 2026 auf denselben Euro.
Ein letzter Punkt betrifft den Wiederverkauf. Weil die Steuer am Fahrzeug hängt und sich mit dem Alter nicht ändert, zahlt auch der nächste Halter denselben Betrag. Beim Gebrauchtkauf lohnt deshalb der Blick in Feld P.1 und V.7 vor der Unterschrift, denn ein großer Diesel bleibt über seine gesamte Lebensdauer ein teurer Posten in der Haushaltsrechnung.
Zur Einordnung über die Haltedauer: Zehn Jahre mit dem Zweiliter-Diesel aus der Tabelle kosten bei unverändertem Recht 2.860 € Kfz-Steuer, der gleich große Benziner mit demselben CO2-Wert 1.360 €. Die Differenz von 1.500 € entsteht vollständig aus dem Hubraumsatz. Ob sie durch günstigeren Kraftstoff wieder hereinkommt, hängt an der Jahresfahrleistung, die jeder selbst am besten kennt.