MPU: Anlass, Ablauf und Kosten der Fahreignungsbegutachtung
Die MPU ist keine Strafe, sondern ein Gutachten, das die Fahrerlaubnisbehörde verlangt, wenn sie an der Eignung zweifelt.
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Ihr MPU-Budget, Posten für Posten
Gesamtkosten (Ihre Angaben + Behörde)
640,80 €
| Gutachten | 600 € |
| Nachweise | 0 € |
| Behörde Neuerteilung, ab | 40,80 € |
Die Neuerteilung kostet nach GebOSt Nr. 202.3 zwischen 35.7 und 258.5 €, dazu 5.1 € Antragsprüfung. MPU-Preise legen die Stellen selbst fest.
Die MPU, die medizinisch-psychologische Untersuchung, ist ein Gutachten einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung, das die Fahrerlaubnisbehörde anordnet, wenn sie an der Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen zweifelt. Zwingend ist sie nach § 13 FeV, wenn jemand mit 1,6 Promille oder 0,8 mg/l Atemalkohol oder mehr gefahren ist, wenn wiederholt Verstöße unter Alkohol vorliegen oder die Fahrerlaubnis deswegen entzogen war; für Cannabis (§ 13a) und andere Drogen (§ 14) gelten eigene Anlässe. Nach dem Entzug bei 8 Punkten verlangt die Behörde sie in der Regel (§ 4 Abs. 10 StVG), ebenso bei erneuten Verstößen in einer neuen Probezeit. Die Untersuchung bezahlen Sie selbst, und einen amtlichen Preis gibt es seit dem Wegfall des alten Gebührentarifs nicht mehr: Die Begutachtungsstellen legen ihn fest. Amtlich ist nur die Gebühr der Behörde für die Neuerteilung, 35,70 € bis 258,50 €. Wer das Gutachten nicht fristgerecht vorlegt, gilt als ungeeignet.
Was die MPU ist
Hinter der Abkürzung steht ein Gutachten, kein Test im Sinne einer Prüfung mit Punktzahl. Die Fahrerlaubnis-Verordnung nennt es medizinisch-psychologisches Gutachten einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (§ 11 Abs. 3 FeV). Ein Arzt und ein Psychologe untersuchen, ob die Zweifel an Ihrer Eignung berechtigt sind, und beantworten dabei genau die Fragen, die die Behörde gestellt hat. Die Anlage 4a der FeV stellt klar, dass nicht die gesamte Persönlichkeit Gegenstand ist, sondern nur Eigenschaften und Verhaltensweisen, die für das Fahren eine Rolle spielen.
Maßstab der Begutachtung sind die Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung, auf die Anlage 4a verweist, in der Fassung vom 12. Dezember 2025. Sie beschreiben für jede Fragestellung, welche Befunde für oder gegen die Eignung sprechen. Die Untersuchung darf nur nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen erfolgen, der Gutachter muss Sie vorab über Gegenstand und Zweck aufklären und Aufzeichnungen anfertigen.
Die Stellen brauchen eine amtliche Anerkennung der nach Landesrecht zuständigen Behörde, die auf höchstens zehn Jahre befristet ist (§ 66 FeV). Gutachter dürfen nicht mit Unternehmen verbunden sein, die auf die Begutachtung vorbereiten oder Kurse zur Wiederherstellung der Eignung anbieten, und solche Leistungen auch nicht selbst anbieten. Vorbereitung und Begutachtung sind also strikt getrennt.
Wann die Behörde sie anordnet
Man unterscheidet Fälle, in denen die Behörde die MPU anordnen muss, und solche, in denen sie es kann. Die wichtigsten Anlässe:
| Anlass | Rechtsgrundlage | Anordnung |
|---|---|---|
| Fahrt mit 1,6 Promille oder 0,8 mg/l Atemalkohol oder mehr | § 13 Satz 1 Nr. 2 c FeV | zwingend |
| Wiederholte Verstöße unter Alkoholeinfluss (ohne reine Fahranfänger-Verstöße) | § 13 Satz 1 Nr. 2 b FeV | zwingend |
| Anzeichen für Alkoholmissbrauch, Entziehung wegen Alkohol | § 13 Satz 1 Nr. 2 a, d, e FeV | zwingend |
| Cannabismissbrauch, wiederholte Verstöße unter Cannabis, Entziehung deswegen | § 13a Satz 1 Nr. 2 FeV | zwingend |
| Entziehung wegen Drogen, wiederholte Verstöße nach § 24a StVG | § 14 Abs. 2 FeV | zwingend |
| Neuerteilung nach Entzug bei 8 Punkten | § 4 Abs. 10 StVG | in der Regel |
| Erneute Verstöße in der neuen Probezeit nach Entziehung | § 2a Abs. 5 StVG | in der Regel |
| Erhebliche oder wiederholte Verkehrsverstöße, Straftaten, Aggressionspotenzial | § 11 Abs. 3 Nr. 4 bis 7 FeV | möglich |
| Neuerteilung nach wiederholter Entziehung | § 11 Abs. 3 Nr. 9 FeV | möglich |
Beim Alkohol ist der Schwellenwert von 1,6 Promille der bekannteste Anlass, und er gilt für jedes Fahrzeug, auch für das Fahrrad. Wer darunter bleibt, aber zum zweiten Mal mit 0,5 Promille auffällt, landet ebenfalls bei der Begutachtung, weil die Wiederholung genügt. Nur Verstöße gegen das Null-Promille-Gebot für Fahranfänger nach § 24c StVG werden dabei nicht mitgezählt. Die Grenzwerte und ihre Folgen erklärt die Seite zur Promillegrenze, die Bußgelder stehen unter Alkohol am Steuer.
Beim Cannabis hat § 13a FeV eigene Regeln, die sich am Missbrauch orientieren, also an der Frage, ob jemand Konsum und Fahren trennen kann. Eine einmalige Fahrt über dem THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml ist eine Ordnungswidrigkeit; wiederholte Fahrten unter Cannabiseinfluss führen zur MPU. Mehr dazu unter Cannabis am Steuer.
Bei den Punkten kommt die Begutachtung erst nach dem Entzug, als Voraussetzung für die neue Fahrerlaubnis. Wie man dorthin gelangt, zeigt der Überblick zu den Punkten in Flensburg.
Der Ablauf von der Anordnung bis zum Gutachten
§ 11 Abs. 6 FeV beschreibt die Schritte. Die Behörde legt in der Anordnung fest, welche Fragen zu klären sind, begründet ihre Zweifel, nennt die in Betracht kommenden Stellen und setzt eine Frist. Sie weist darauf hin, dass Sie die Unterlagen einsehen können, die sie an die Stelle schickt. Sie beauftragen dann selbst eine Begutachtungsstelle und teilen der Behörde mit, welche. Die Behörde übersendet dorthin die Fragestellung und die Akten, soweit sie verwertet werden dürfen.
Die Untersuchung selbst hat einen medizinischen und einen psychologischen Teil. Bei Alkohol, Cannabis und Drogen geht es nach Anlage 4a ausdrücklich auch um das künftige Verhalten: ob zu erwarten ist, dass Sie nicht mehr unter Einfluss fahren. War eine Abhängigkeit festgestellt, muss eine stabile Abstinenz bestehen; bei Missbrauch ohne Abhängigkeit kommt es darauf an, ob Sie Konsum und Fahren zuverlässig trennen. In beiden Fällen verlangt die Anlage einen grundlegenden Wandel der Einstellung und Bedingungen, die einen Rückfall unwahrscheinlich machen.
Abstinenznachweise werden nur anerkannt, wenn sie von Stellen stammen, die Terminvergabe, Identitätskontrolle und Probenentnahme nach dem Stand der Wissenschaft sicherstellen, etwa Fachärzte mit verkehrsmedizinischer Qualifikation, Rechtsmediziner, Ärzte einer Begutachtungsstelle oder akkreditierte forensisch-toxikologische Labore. Befunde müssen im Original und unterschrieben vorliegen.
Das Gutachten
Es muss allgemeinverständlich, nachvollziehbar und nachprüfbar sein und zwischen Vorgeschichte und aktuellem Befund unterscheiden. Da Sie der Auftraggeber sind, geht es zunächst an Sie. Ein negatives Gutachten müssen Sie nicht vorlegen, dann bleibt es aber bei den Zweifeln der Behörde, und nach Fristablauf gilt § 11 Abs. 8 FeV. Das Gutachten kann einen anerkannten Kurs zur Wiederherstellung der Kraftfahreignung empfehlen, allerdings nur Personen, die zu diesem Zeitpunkt keine Fahrerlaubnis besitzen. In bestimmten Fällen ersetzt die Kursbescheinigung dann ein zweites Gutachten, nicht aber nach dem Punkteentzug oder bei Anordnungen wegen Verkehrsverstößen und Straftaten nach § 11 Abs. 3 Nr. 4 bis 7 FeV.
Ärztliches Gutachten oder MPU
Nicht jeder Zweifel führt sofort zur MPU. Begründen Tatsachen die Annahme einer Alkohol- oder Cannabisabhängigkeit, verlangt die Behörde nach § 13 und § 13a FeV zunächst ein ärztliches Gutachten, etwa von einem Facharzt mit verkehrsmedizinischer Qualifikation oder einem Arzt des Gesundheitsamts. Stellt dieser keine Abhängigkeit, aber Anzeichen für Missbrauch fest, folgt die MPU. Bei anderen Drogen ist der ärztliche Befund nach § 14 Abs. 1 FeV der erste Schritt, wenn Tatsachen auf Einnahme oder Abhängigkeit hindeuten.
Welche Vorgeschichte zählen darf
Die Behörde übersendet der Begutachtungsstelle nur Unterlagen, die sie unter Beachtung der gesetzlichen Verwertungsverbote verwenden darf. Ist eine Eintragung im Fahreignungsregister gelöscht, dürfen Tat und Entscheidung nach § 29 Abs. 7 StVG nicht mehr zu Ihrem Nachteil verwertet werden. Eine Ausnahme gilt, solange die Tat als Grundlage einer noch gespeicherten Entziehung oder Versagung genannt ist. Wer wissen will, was aktuell gespeichert ist, kann vor der Begutachtung eine kostenlose Auskunft beim KBA anfordern.
Was die MPU kostet
Hier hilft nur Ehrlichkeit: Einen amtlichen Preis gibt es nicht mehr. Die Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr enthielt früher eigene Sätze für die medizinisch-psychologische Untersuchung, diese Nummern sind weggefallen. § 6f StVG ermächtigt das Verkehrsministerium, Entgelte per Verordnung festzusetzen, mit Mindest- und Höchstsätzen; in der geltenden GebOSt steht ein solcher Tarif nicht mehr. Die Begutachtungsstellen nennen ihre Preise selbst, und sie hängen von der Fragestellung ab. Lassen Sie sich den Preis für Ihre konkrete Fragestellung vor der Beauftragung schriftlich geben.
Amtlich festgelegt sind dagegen die Gebühren der Fahrerlaubnisbehörde:
| Posten | Gebühr | GebOSt-Nr. |
|---|---|---|
| Prüfung des Antrags auf Erteilung | 5,10 € | 201 |
| Neuerteilung nach Entziehung oder Verzicht | 35,70 € bis 258,50 € | 202.3 |
| Ermahnung oder Verwarnung im Punktesystem | 17,90 € | 209 |
Hinzu kommen je nach Fall Abstinenznachweise, ein freiwilliger Vorbereitungskurs, Fahrstunden oder eine erneute Prüfung. Der Rechner unten zählt Ihre eigenen Angaben zusammen und ergänzt die Behördengebühr; den Rest der Führerscheinkosten zeigt der Führerscheinkosten-Rechner.
MPU in der Probezeit
Für Fahranfänger nennt § 2a StVG zwei eigene Fälle. Die Behörde kann die Begutachtung schon während der Probezeit anordnen, wenn die Verstöße nach den Umständen den Schluss auf fehlende Eignung nahelegen. Und wer nach einer Entziehung in der Probezeit eine neue Fahrerlaubnis bekommt und dann erneut einen A- oder zwei B-Verstöße begeht, muss in der Regel ein Gutachten beibringen. Die Stufen davor erklärt die Seite zur Probezeit.